Julian Bossert

Digital Concept & Consulting

Influencer auf dem Prüfstand

Genau so groß wie die Relevanz von Influencer Marketing und Relations für Unternehmen mittlerweile geworden ist, genau so attraktiv ist es für diejenigen geworden, die lediglich davon profitieren und sich etwas prominent fühlen wollen.

In der Vergangenheit habe ich immer wieder immense Fehlentscheidungen bei der Auswahl von Multiplikatoren miterlebt. Selbst gegenwärtig sehe ich speziell bei Perlen des Influencer Marketings – einer Seite die skurrile Influencer-Postings sammelt, sehr empfehlenswert – immer wieder massive Fehler bei der Selektion von Influencern. Viel zu oft wird Reichweite mit Follower verwechselt, Engagement falsch eingeschätzt und nicht auf Authentizität oder Brand Fit geachtet.

Aber was unterscheidet den meinungsführenden und ambitionierten Influencer von #FakeInluencer? Wie findet man schwarze Schafe und wie die eierlegende Wollmilchsau? Gleich vor ab, zweiteres gibt es nicht. Dennoch lassen sich auch Influencer identifizieren, die nicht nur als reine Multiplikatoren dienen, sondern auch andere Geschäftsprozesse positiv beeinflussen – dazu bald an anderer Stelle mehr.

Nachfolgend habe ich fünf einfache Faustregeln zusammengestellt, die zeigen wie man mit wenig Aufwand die Qualität von Influencern (auf Instagram) überprüft. So lässt sich schnell und einfach erkennen wer wirklich beeinflusst oder nur Likes und Engagement künstlich generiert hat:

 

1. Engagement ist essenziell:

Wenn Content King ist, dann ist Engagement everything. Denn am schnellsten lässt sich die Spreu vom Weizen trennen, indem man die Follower Zahl den durchschnittlichen Kommentaren und Likes gegenüberstellt (kurz die Engagement Rate).

So entdeckt man schnell Accounts mit 60.000 Followern, die aber lediglich im Durchschnitt 25 Kommentare und 2.000 Likes auf einem Post hinterlassen. Das entspricht einer Follower Engagement Rate [Likes + Kommentare (idealerweise stärker gewichtet) / Follower x 100] von gerade mal 3,375%. Ein schnell zu erfassendes und klares Indiz dass diese 60.000 nicht alle echte/aktive Nutzer sind. Ein weiterer Blick in die Follower Liste gibt oft auch Aufschlüsse: tauchen oft Profile mit komischen Name/Nummer Kombinationen oder ohne Profilbild auf, ist das ein weiteres Indiz für Fakefollower.

 

2. Die Community, Spiegel der Influencer:

Der mit Abstand beste, Messfaktor für die qualitative Performance eines Influencers ist seine Community. Denn genau die möchte eine Marke schließlich für sich gewinnen. Wenn auch mit etwas mehr Aufwand verbunden, ist es unglaublich aufschlussreich die Kommentare welche die Community auf Postings hinterlässt. Natürliche Konversationen zeigen, dass sich die Community mit dem Influencer auseinandersetzt.

Best Case: Organic Food, Organic Engagement. Quelle: doandlive

Im besten Fall entstehen durch die Postings Diskussionen mit dem Influencer, und noch besser unter der Community selbst. Einen besseren Indikator für die Qualität des Influencers gibt es kaum.

Im Gegensatz dazu der Worst Case: Einsilbige Kommentare, welche keinen Bezug zum Bild haben und Emoji Only Kommentare. Diese Interaktionen sind oft Indiz für nicht organisches Engagement. Zum einen können die Kommentare gekauft sein und von Bots stammen, zum andern können diese in sog. Commenting Pods (Private Chat-Gruppen in denen User gegenseitig massenhaft ihre Posts kommentieren) generiert worden sein.

Ein weiterer Tip: einfach einmal selbst unter den Post des Influencers kommentieren und schauen wann und vor allem was man für eine Antwort zurück bekommt.

 

 

3. Steigerung anstatt Sprünge:

Um bösen Überraschungen bei der Kooperation mit Influencern vorzubeugen empfiehlt es sich das Wachstum der Profile zu betrachten. Hierzu kann man InfluencerDB (kostenpflichtig) oder Social Blade (kostenlos) verwenden. Beide bieten die Möglichkeit das Wachstum der Follower von bestimmten Nutzern über die Zeit zu betrachten. Hierbei lässt sich direkt erkennen ob ein Influencer organisch gewachsen ist, oder ob bei diesem Prozess künstlich nachgeholfen wurde.

Als Beispiel hier die Follower Kurven von zwei Nutzern: Beim ersten Nutzer sind klare Stufen im Wachstum erkennbar. Teilweise liegen diese bei ca. 5-9 Tausend Followern in kürzester Zeit – das ist praktisch unmöglich. Ein weiteres Indiz ist die Kontinuität der Anstiege, sowie der abrupte Abfall (nach dem Juli 16).

Abrupte Sprünge beim Wachstum der Follower.

Ganz im im Gegensatz dazu die zweite Kurve. Hier erkennt man einen stetigen Trend zum Wachstum und keine großen Sprünge oder Einbrüche. Kleinere Schwankungen sind hier keinesfalls schlecht, sondern deuten um so mehr auf eine organische Interaktion mit dem Profil hin. In der Regel gilt, um so steiler die Kurve um so genauer sollte man sich die anderen der fünf Qualitätsindikatoren unter die Lupe nehmen.

Stetiges, organisches Wachstum der Follower.

 

4. Das Umfeld für zukünftige Kooperationen:

8 von 9 Markenkooperationen in Folge, das muss man erst mal schaffen.
Quelle: johannas.lifestyle

Ein kurzer Blick durch den Feed der Person verspricht auch hier oft interessante Erkenntnisse. Sucht man im Feed des vermeintlichen Influencers nach markierten Kooperation (gekennzeichnet mit #ad #werbung # anzeige oder #sponsored) So erfährt man schnell etwas über die Qualität des Multiplikators. Wenn bpsw. eine Fitness Riegel Kooperation die nächste jagt oder Dating Apps und Vitaminpillen den Feed des Influencers zieren, ist das nicht unbedingt ein gutes Zeichen. Schließlich will man als Marke nicht in diesem Umfeld erscheinen oder eine von vielen sein. Wer sich für Alle hergibt, zeigt als Influencer, dass er über sich selbst wenig weiss bzw. wenig Werte und letztendlich wenig Wert besitzt.

 

5. Influencer Background Check:

Letztendlich ist eine der einfachsten Möglichkeiten einen Influencer zu evaluieren nach seinem Namen zu googeln. Hat er einen Blog, Youtube Kanal, hat er bereits mit anderen Marken Kooperiert und für sie Content auf ihren Seiten erstellt? Um so mehr positiver, qualitativer Content zu finden ist, um so wahrscheinlicher ist es, dass der Influencer seine Followerschaft erarbeitet hat und nicht mit Instagram das schnelle Geld machen will.

 


Weitere hilfreiche Informationen, Beratung, Konzeption und Strategie für Deine nächste Influencer Kampagne gibt es bei Kontakt mit mir. Falls der Artikel Dir gefallen haben sollte, freue ich mich über einen Share auf LinkedIn, Xing oder einem Netzwerk deiner Wahl.

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About Julian Bossert:

Hi, I'm Julian a Creative Content Developer based in Stuttgart. My life's about creating Ideas, enabling brand experiences, teaching, traveling and photography. Checkout my portfolio, blog or contact, follow and add me.